PM: Abschiebung aus Seelbach

Im Oktober 2010 wurden vier Mitglieder der sechsköpfigen Familie Tatari – Vater, Mutter und die beiden jüngsten Kinder (beide in Deutschland geboren) – aus Seelbach bei Lahr in den Kosovo abgeschoben, nachdem sie bereits 18 Jahre in Deutschland gelebt hatten. Die beiden älteren Kinder durften in Deutschland bleiben, die Familie wurde auseinander gerissen. Der abgeschobene Sohn Erson konnte mittlerweile wieder nach Deutschland zurückkehren.

Nachdem im Januar 2012 bei Florije Tatari – der Mutter – ein lebensgefährliches Herzleiden diagnostiziert wurde, welches im Kosovo nicht behandelt werden kann, erwirkte der Unterstützer*innenkreis ihre Rückkehr nach Lahr für die Dauer der Behandlung, welche vom Herzzentrum Lahr durchgeführt und bezahlt wird. Sobald diese abgeschlossen ist, muss Florije Tatari wieder in den Kosovo zurückkehren.
Dort sind die Lebensumstände jedoch katastrophal. Thomas Marwein vom Unterstützer*innenkreis der Familie Tatari beschreibt die Situation wie folgt: „Das ärmste Land in Europa verzeichnet eine Arbeitslosenquote von 50 Prozent, die Regierung ist korrupt und die soziale Diskriminierung ist dort erschreckend präsent.“
So wie die Tataris gelten alle Abgeschobenen im Kosovo als Außenseiter und sind Opfer von Diskriminierung und Übergriffen.

Abschiebungen sind jedoch leider keine Ausnahme. Einmal in Monat finden vom Baden-Airpark aus Abschiebungen statt.
Eine Konferenz der Innenminister ebnete im Dezember 2009 rund 15.000 Abschiebung in den Kosovo den Weg. So wurden beispielsweise in den Nächten des 25.04.2012 und des 30.04.2012 mehrere Menschen aus Freiburg in den Kosovo abgeschoben.
Migrant*innen mit unsicherem Aufenthaltsstatus sind in Deutschland einer Vielzahl diskriminierender Auflagen ausgesetzt. So dürfen diese ihren Landkreis nicht verlassen, müssen in überfüllten Migrant*innenheimen und von einem sehr geringen monatlichen Taschengeld leben. Des weiteren ist die medizinische Versorgung nicht gewährleistet und die Hürden eine Arbeitsstelle zu erhalten sind nahezu unüberwindbar.

Abschiebungen und diskriminierende Asylgesetze lösen keine Probleme. Die einzige Perspektive für die Abgeschobenen ist es erneut illegal nach Europa einzuwandern.
Wir fordern Bleiberecht für Florije Tatari!
Wer bleiben will, soll bleiben!

ASJ Eleu­

Quellen und weitere Infos:
http://www.badische-zeitung.de/seelbach/florije-tatari-soll-bleiben
http://www.badische-zeitung.de/seelbach/abschiebung-trennt-familie--37083601.html
www.aktionbleiberecht.de
www.rasthaus-freiburg.org