Archiv für Mai 2012

Freiraumdemo Reutlingen Mobivideo

Zugtreffpunkte

Zur Nachttanzdemo gegen den Katholikentag am 19.5. in Mannheim und zur Freiraumdemo in Reutlingen am 26.5. wird es gemeinsame Zugtreffpunkte mit Gruppen aus Freiburg geben.

Nachttanzdemo:

19.5. 15:30 Uhr Lahr Bahnhof (Abfahrt 15:42 Gleis 2)

Freimraumdemo:
26.5. 11:30 Uhr Lahr Bahnhof (Abfahrt 11:40 Gleis 2)

http://kulturschock-zelle.de/demo/

PM: Abschiebung aus Seelbach

Im Oktober 2010 wurden vier Mitglieder der sechsköpfigen Familie Tatari – Vater, Mutter und die beiden jüngsten Kinder (beide in Deutschland geboren) – aus Seelbach bei Lahr in den Kosovo abgeschoben, nachdem sie bereits 18 Jahre in Deutschland gelebt hatten. Die beiden älteren Kinder durften in Deutschland bleiben, die Familie wurde auseinander gerissen. Der abgeschobene Sohn Erson konnte mittlerweile wieder nach Deutschland zurückkehren.

Nachdem im Januar 2012 bei Florije Tatari – der Mutter – ein lebensgefährliches Herzleiden diagnostiziert wurde, welches im Kosovo nicht behandelt werden kann, erwirkte der Unterstützer*innenkreis ihre Rückkehr nach Lahr für die Dauer der Behandlung, welche vom Herzzentrum Lahr durchgeführt und bezahlt wird. Sobald diese abgeschlossen ist, muss Florije Tatari wieder in den Kosovo zurückkehren.
Dort sind die Lebensumstände jedoch katastrophal. Thomas Marwein vom Unterstützer*innenkreis der Familie Tatari beschreibt die Situation wie folgt: „Das ärmste Land in Europa verzeichnet eine Arbeitslosenquote von 50 Prozent, die Regierung ist korrupt und die soziale Diskriminierung ist dort erschreckend präsent.“
So wie die Tataris gelten alle Abgeschobenen im Kosovo als Außenseiter und sind Opfer von Diskriminierung und Übergriffen.

Abschiebungen sind jedoch leider keine Ausnahme. Einmal in Monat finden vom Baden-Airpark aus Abschiebungen statt.
Eine Konferenz der Innenminister ebnete im Dezember 2009 rund 15.000 Abschiebung in den Kosovo den Weg. So wurden beispielsweise in den Nächten des 25.04.2012 und des 30.04.2012 mehrere Menschen aus Freiburg in den Kosovo abgeschoben.
Migrant*innen mit unsicherem Aufenthaltsstatus sind in Deutschland einer Vielzahl diskriminierender Auflagen ausgesetzt. So dürfen diese ihren Landkreis nicht verlassen, müssen in überfüllten Migrant*innenheimen und von einem sehr geringen monatlichen Taschengeld leben. Des weiteren ist die medizinische Versorgung nicht gewährleistet und die Hürden eine Arbeitsstelle zu erhalten sind nahezu unüberwindbar.

Abschiebungen und diskriminierende Asylgesetze lösen keine Probleme. Die einzige Perspektive für die Abgeschobenen ist es erneut illegal nach Europa einzuwandern.
Wir fordern Bleiberecht für Florije Tatari!
Wer bleiben will, soll bleiben!

ASJ Eleu­

Quellen und weitere Infos:
http://www.badische-zeitung.de/seelbach/florije-tatari-soll-bleiben
http://www.badische-zeitung.de/seelbach/abschiebung-trennt-familie--37083601.html
www.aktionbleiberecht.de
www.rasthaus-freiburg.org

Kampagne für selbstbestimmte Räume gestartet

http://waswirbrauchen.blogsport.de/images/headers/waswirbrauchen_header.jpg
Kampagne für mehr selbstbestimmte Räume

Aufgrund der akuten aber auch latenten (Räumungs-)Bedrohung selbstverwalteter Zentren für Kultur- und Politik im Südwesten möchten wir eine Vernetzung aus verschiedenen Räumen und Initiativen vorantreiben. In den nächsten Monaten wollen wir, Aktivist_innen aus autonomen Jugendzentren, Wagenplätzen, linken Kollektiven und besetzten Häusern in Rhein-Main und Baden-Württemberg, eine größere Öffentlichkeit gegen die diversen Bedrohungen schaffen und die Notwendigkeit unserer Räume vermitteln. Mit dem Ziel unsere Räume zu verteidigen und auszubauen, wollen wir mit Infoveranstaltungen, Kunstaktionen und Demonstrationen in verschiedenen Städten und Dörfern aktiv werden.

Immer der selbe Stress?

Wichtig bei der Zusammenführung unserer Kämpfe scheint uns, dass es zahlreiche Parallelen zwischen linken Räumen an vielen Orten gibt. Zum einen sind politische Gegner_innen oftmals dieselben. Zum anderen gibt es zahlreiche Überschneidungen was die Aktivitäten in den Projekten und den Anspruch der Förderung nicht-kommerzieller Kultur betrifft.

Linke Strukturen bieten überall, und besonders im ländlichen Raum, die Möglichkeit antifaschistische Arbeit zu organisieren und Schutz gegen Nazis aufzubauen. Außerdem haben wir den grundsätzlichen Anspruch, in diesen Räumen und über diese hinaus Sexismus, Rassismus und jegliche Art der Diskriminierung offen zulegen und zu bekämpfen.

Unsere Häuser und Plätze sind jedoch auch von großer Heterogenität und voller Widersprüche.Die (Entstehungs-) Geschichte der Projekte spielt dabei eine große Rolle, ebenso wie die Dynamik der Diskurse und die Kommunikationsformen. Die Form der Infrastruktur, die Verankerung, die geographische Lage und die lokal-politischen Gegebenheiten bedingen die Definition unserer sogenannten „Freiräume“.

Doch auch bei unterschiedlichen Herausforderungen, unterschiedlichen Ansprüchen und unterschiedlicher Umsetzung dieser Ansprüche sehen wir Solidarität als unsere beste Waffe. Wir verstehen unsere Räume als Chance zum Aufbau gesellschaftlicher Veränderung. Wir wollen gemeinsam für den Ausbau und die Verteidigung solcher Räume aktiv werden, denn nur ein überregionaler, solidarischer Zusammenhalt kann uns in die Offensive bringen.

Bedrohungen, die uns betreffen, können sehr unterschiedlich gelagert sein. Bei der gemeinsamen Motivation einander in den Kämpfen zu unterstützen, müssen wir also gut überlegen, was in den jeweiligen Städten politisch sinnvoll und bedürfnisorientiert ist. Sinnvoll ist jedenfalls ein Austausch wichtiger Informationen und der Aufbau effektiver Kommunikation.

Ob ein selbstverwaltetes Jugendzentrum in Hintertupfingen gerade mit der Gema kämpft, irgendwelchen Politiker_innen eingefallen ist, dass Wagenburgen doch bestimmt eine Gaststättenkonzession brauchen könnten, oder mal wieder die Hundertschaften der Polizei ein besetztes Haus in der City räumen sollen, reden wir hier über Räume, die wir lieben und mit denen wir mehr Freiheit verbinden. Daher sehen wir es auch als unausweichlich unsere Genoss_innen in Reutlingen, in Köln, in Basel, in Schopfheim und überall zu unterstützen.

Plätze und Häuser die Alles anders wollen

Ziel unserer Räume ist es unkommerzielle Kultur und emanzipatorische Politik zu ermöglichen. In ihnen wollen wir versuchen weitestgehend ein selbstbestimmtes Leben zu gestalten und uns aus den Unterdrückungsmechanismen, die unseren Alltag bestimmen, ein Stück weit zu lösen. Sie bieten Raum zum Streiten, Informieren, Organisieren, Treffen und Feiern. Das System um uns herum überzeugt uns kein Stück, daher müssen wir Schritt für Schritt die Alternative aufbauen.
Wir wollen Autonome Zentren erkämpfen und verteidigen und kämpfen für eine Perspektive jenseits der alltäglichen Ausbeutung und Unterdrückung.

Für mehr kapitalismuskritische Räume

Auch wenn der Aufbau unserer Zentren teilweise eine Flucht vor dem alltäglichen Wahnsinn von Arbeit, Nation und Kapital darstellt, wollen wir nicht im Szene-Sumpf steckenbleiben, sondern uns aktiv in gesellschaftliche Themen einmischen. Wir stehen einem extrem bedrohlichen ökonomischem System und einer hoffnungslos staatsfixierten Alltagskultur gegenüber.

Während die kapitalistische Krise erneut wütet und die Unterdrückten sich in vielen Ländern spektakulär dem autoritären Trend verwehren, ist es wichtig Plattformen zur Organisierung der sozialen Bewegungen mit allen Mitteln zu stärken und voranzutreiben.

Der stetige Angriff der JuZ-Initiativen und Hausbesetzer_innen auf Eigentum und Profitlogik ist auch Teil eines antikapitalistischen Kampfes. Wann, wenn nicht jetzt ist es an der Zeit, Räume für emanzipatorische Strömungen in dieser Gesellschaft einzufordern.

Im Rahmen der sogenannten Aufwertung der Städte setzen Verdrängungsmechanismen ein, wie sie durch die Profitlogik des Kapitalismus zwangsweise entstehen. Hierbei treten die Bedürfnisse der Menschen in den Hintergrund. Kämpfe um selbstbestimmte Strukturen sind deshalb immer eng verbunden mit den Wünschen der Menschen nach einem Leben ohne Zwang.

In vielen Städten ist es gelungen Initiativen aus dem gesamten wohnraum -und kulturpolitischen Spektrum miteinander zu vernetzen und politische Veränderung einzufordern. Diese Kämpfe bergen – wenn auch in unterschiedlichem Ausmaß – ein antikapitalistisches Potential, das wir ausbauen wollen um es wieder verstärkt zu einer Gefahr für das System und dessen Strukturen zu machen.

Für den Aufbau anderer Welten!
Hände weg von autonomen Räumen!